BODY FLASH, LIFESTYLE — 6. November 2011 14:13

SÜCHTIG NACH YOGA

Posted by

Süchtig nach Yoga

„Sie müssen Yoga machen“ sagte mir meine chinesische Ärztin, bei der ich gegen meine Schmerzen im Schulterbereich Akupunktur verabreicht bekam. ‚Ich und Yoga, ajajaj, das kann ja heiter werden‘, dachte ich mir. Ich erinnere mich, dass ich es tatsächlich mal in Erwägung gezogen hatte. Aber als meine Liebe und ich mit Freunden zum Essen gingen, kam ich davon wieder ab. Am Nebentisch  saßen Yoga praktizierende Hausfrauenmütterchen, und es war aus dem Grunde sichtbar, weil die Schule auf dem Tischschildchen zu lesen war und auf ihren Tellern nur vegetarischer Fraß serviert wurde. Die Damen sahen so was von abtörnend  alternativ und bieder aus, dass mein Freund mich grinsend ansah und fragte: „Na, willst Du auch so einmal enden?“

Nein, wollte ich natürlich nicht, aber meine Schulterschmerzen zwangen mich, diesen Versuch „Yoga“ zu starten.

Nun, Yogaschulen gibt es viele und es gibt auch viele Arten von Yoga. Per Internet fand ich eine Schule in Augsburg, die einiges versprach. Ich schickte eine Mail und die Antwort kam prompt. Ganz nett, aber die  Begrüßungs- und Abschiedsformel  törnten mich doch wieder ab: Om namah Shivaya liebe Mirella und Om Shanti. Wohl doch wieder so ein Spinner- oder Sektenverein.

Aber ich ging hin, in der Hoffnung, diese lästigen Schmerzen los zu werden.  Die Übungsräume waren so, wie ich es mir vorgestellt hatte: nett eingerichtet mit Buddha und Yoga Deko. Die Lehrerin nannte sich Raja (der Name wurde ihr vom Meister gegeben) und sie war die Ruhe in Person. Die Aufwärmphase setzte sich zusammen aus gemeinsamen Singen und Konzentration auf die einzelnen Körperteile. Ich fühlte mich in der ersten Unterrichtsstunde durch ihre Ruhe angegriffen und eine Art Aggression stieg in mir auf. Ungeduldig auf dem Meditationskissen hin- und her schaukelnd bat ich leise: „Jetzt komm endlich in die Gänge, gute Frau!“

Diese innere Aggression wandelte sich aber dann ganz schnell in Erschöpfungszustand. Zugegeben, ich bin zum Yoga mit der doch etwas arroganten Meinung gegangen, dass diese Übungen ja gar nicht so schwer sein können. Zumindest sahen sie auf Bildern und in den Videos leicht ausführbar aus.

Mein erster Sonnengruß belehrte mich des besseren. Heute weiß ich, wie bescheuert ich beim „ersten Mal“ ausgesehen haben muss. Mein Arsch hing in der Luft und das Bein konnte ich auf gar keinen Fall zwischen meine beiden Hände schwingen. Ich blieb immer mit meinen Zehen hängen und der Hintern  wollte nicht so mitschwingen, wie ich wollte.  Gut, dass es bei Yoga in Übungsräumen keine Spiegel gibt wie in Tanzsälen. Und jetzt weiß ich auch warum: Spiegel würden ganz viele Schüler nach der ihrer ersten Stunde Yoga  zum Selbstmord treiben.

Schlimmer noch war der Schulterstand. Da bekam ich meinen Hintern gar nicht hoch und als er endlich dank der Lehrerin in der Höhe war, wo er sein sollte, drückte er die ganze Zeit nach unten und das Halten der Beine in der Luft war gar nicht möglich. Ich verließ die erste Stunde erschöpft und fertig. Und ich war so müde, dass ich nicht einmal denken konnte: ‚Da geh ich nie wieder hin!‘

Am nächsten Tag hatte ich tierischen Muskelkater und erstaunlicher Weise verdammt gute Laune. Und vor allem hatte ich eines: das Gefühl, dass mein Kopf frei ist und meine Seele wieder frei atmen kann. Ein Gefühl, dass ich seit Ewigkeiten nicht mehr hatte. Und Yoga wurde nach der ersten Stunde mein Freund.

 

 

8 Comments

  • Genau so ging es mir nach meiner ersten Yoga stunde auch :D
    Ich glaube das geht jedem so.. Ich ging hin um ein bisschen entspannter zu werden :D
    Aber jetzt mache ich es seit 3 Jahren und es gefällt mir sehr sehr gut :)

    LG Marina

Leave a Reply

— required *

— required *

Trackbacks