ENJOY, LIFESTYLE — 17. Oktober 2011 15:37

Was haben Palatschinken mit Schinken zu tun?

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Schon Karl Kraus, einer der bedeutendsten und wortgewandesten österreichischen Schriftsteller, sagte einmal: „Das Einzige, was die Österreicher und Deutschen trennt, ist die deutsche Sprache!”

Wie recht er doch hatte … und besonders im Food-Bereich, merkt der Deutsche sehr schnell,

dass er in Österreich ist, und der Österreicher wiederum stellt fest, dass er es mit einem deutschen Gast zu tun hat.

So wird die Bestellung eines Kaffees (die Betonung liegt auf der zweiten Silbe, so wie bei „Fee”) im Wiener Kaffeehaus zur Geduldsprobe aller beteiligten. Will der Deutsche lediglich eine Tass Kaff haben, offeriert ihm der Kellner: eine Melange oder Kaisermelange, eine Schale Gold, einen Einspänner, einen Fiaker, einen Pharisäer, einen Mokka / wahlweise auch Schwarzer genannt, oder doch einen Braunen (groß oder klein), eine Verlängerten, einen Muckefuck, einen Franziskaner oder Kapuziner, eine Maria Theresia oder einen Mazagran …, und wenn der deutsche Gast meint, er sei hier verkehrt: den Kaffee verkehrt gibt es auch!

Ähnlich geht es dem Biertrinker. Ein Krügerl entspricht einem halber Liter Bier, das Seiterl einem Drittel Liter, ein Pfiff ist dann dementsprechend ein Viertel Liter Bier.
Weinliebhaber kommen ebenfalls nicht zu kurz: ein Achterl Weiß oder Rot ist die kleinste, ausgeschenkte Menge in einem Beisl (Lokal) und entspricht einem Glas Wein.
Hier gibt es zahlreiche Varianten: hat es der Gast eilig, bestellt er ein Flucht-Achterl, ein Pfüat-di-Gott-Achterl ist das letztes Glas Wein vorm Heimgehen, welches der Berliner als Schlürschluck bezeichnet. Und dann gibt es noch das Reise-Achterl, Steh-Achterl, Panik-Achterl oder Katastrophen-Achterl.

Ist man beim Bäcker, ordert man eine Marillen- Topfengolatsche, nicht etwa eine Aprikosen-Quark-Tasche. Die Semmeln, also nicht Brötchen, werden ins Sackerl (nicht in die Tüte) gegeben. Mehlspeisen – sowohl in der Konditorei als auch im Kaffehaus sind ein Sammelbegriff für Kuchen! Möchte man seinen Kuchen mit Schlagsahne genießen, dann bestellt man Obers dazu.

Ein Bugl (Brotanschnitt) bekommt man zu seiner „Eitrigen” (Käsekrainer) dazu. „ A Steirer Hüsn oder Blech” (eine Dose Gösser Bier) rundet das kulinarische Genusserlebnis am beliebten Würstl-Stand perfekt ab!

(Die Liste ließe sich fast beliebig lange fortsetzen … für den Anfang sollte dies aber reichen!)

Was also tun, wenn man in Österreich verweilt?

Heißer Tipp von Angela Merkel, die seit Jahren am Wolfgangsee Urlaub macht: Speisekarte lesen (die heißt in Österreich Magnfoaplan, also Magenfahrplan), möglichst langsam und gedehnt sprechen, Nasallaute von sich geben und sich nicht ärgern, wenn der Kellner dann doch einem ein leises, gezischtes „Piefke” zu wirft.

Kleiner Trost: Auch die Österreicher haben ihre Schwierigkeiten im deutschen Ausland satt zu werden!

PS: Palatschinken sind Pfannkuchen und haben rein gar nichts mit Schinken zu tun!

Bis bald, servus und baba!

D.

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